Never ending season – Lucia Dörffel

Zehn internationale Wettkämpfe, drei nationale und noch unzählige Funcups – so sah meine Saison 2019 aus. Klettern am Fels kam leider etwas zu kurz, dafür waren meine Wettkämpfe umso erfolgreicher (ich hätte nie gedacht, dass ich so viel dieses Jahr erreiche. Nachdem ich mir den deutschen Meistertitel im Bouldern holen konnte, fuhr ich nach Frankreich zu den beiden Lead Weltcups in Chamonix und Briancon.

Die kurze Sommerpause habe ich zum Entspannen im Frankenjura genutzt, wo ich mein Projekt “Queeel dich du Sau” 8b+ klettern konnte. Die freie Zeit am Fels war vor allem mental ein gutes Training vor der Jugendweltmeisterschaft in Arco / Italien. Meine erste und letzte Jugend-WM war hier. Ein wunderschöner Ort perfekt für einen runden Abschluss.

Wir sind mit einem überschaubaren Team angereist. Ich durfte im olympischen Format Combined starten, was Lead, Speed und Bouldern beinhaltet. Die ersten Tage war Lead angesagt. Nachdem ich im Halbfinale mein Bestes geben konnte, habe ich es unerwartet ins Finale geschafft und konnte meinen 5. Platz halten. Die zweite Disziplin war Speed. Nicht gerade meine Lieblingsdiziplin, aber dennoch witzig mitzumachen und ich erreichte mit 10,96 s einen 17. Platz.

Die Sonne schien einfach jeden Tag, was die Kombination aus Eis und Pizza essen, für eine Abkühlung in den Pool springen und Wettkampf perfekt machte. Die letzten Tage war meine Hauptdisziplin Bouldern dran. Mit gemischten Gefühlen ging ich in den Wettkampf. Ich wusste, ich kann ins Halbfinale klettern, da Lead jedoch so gut war der Druck, auch im Bouldern ein gutes Ergebnis zu erreichen, schon etwas größer. Glücklicherweise reichte es fürs Halbfinale, dann fürs Finale und sogar für einen dritten Platz, was mich auch in der Combined-Wertung auf Platz 3 brachte. Ein unerwarteter und wunderschöner Abschluss bei meiner letzten Jugend-WM.

Doch die Saison war damit noch nicht vorbei. Zwei Wochen später fuhr ich (leider mit einer Grippe) zu Adidas Rockstars nach Stuttgart, ein Spaßwettkampf, bei dem aber auch starke Athleten wie Janja Garnbret oder Miho Nonaka teilnahmen. Am Freitag konnte ich das Ticket zu Rockstars, also die sogenannte “Wildcard” gewinnen, weshalb ich am Samstag im Halbfinale starten durfte.

Ich konnte leider nicht so viel zeigen, da die Boulder sehr schwer geschraubt waren und ich mit 15 anderen Leuten auf Platz 12 landete, ohne einen Top- oder Bonus-Griff erreicht zu haben. Eine Woche später stand dann die Jugend-Europameisterschaft im Bouldern an. Leider noch etwas erkältet fuhren wir nach Brixen/ Italien mit einem süßen Team, bestehend aus 6 Athleten.

Die Quali lief super und im Halbfinale konnte ich mir ebenfalls mit zwei Tops einen Platz im Finale erklettern. Dort reichte es dann nur für Platz 6, womit ich aber jedoch mehr als zufrieden war. Ich hatte es bei jedem internationalen Jugendwettkampf ins Finale geschafft und stand auf mehreren Podien. Mehr als ich je erwartet hätte. An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal bei meinen Trainern Fritze Koops und Elske van der Smissen bedanken, sowie dem Team und den Sektionen, die mich unterstützt haben. Ich schätzte mich sehr glücklich und dankbar, ein so erfolgreiches und spannendes Jahr 2019 in meinen Erinnerungen behalten zu dürfen.

Vier Wochen später stand dann der letzte internationale Wettkampf, die Jugend-Europameisterschaft in Lead auf dem Plan. Wir sind erst nach Moskau und dann nach Voronezh geflogen, eine schöne russische Stadt. Am Freitag war Speed, Samstag und Sonntag Lead. Ich war jedoch nur für Lead angereist und hatte Samstagabend meine zwei Quali-Routen. Am Sonntag war dann das Halbfinale und auch da konnte ich erfreulicherweise wieder im Finale klettern. Das lief auch sehr gut und ich konnte meinen allerletzten Jugendwettkampf mit einem 5. Platz beenden.

Jetzt bin ich jedoch froh, eine lange Saison bald beenden zu können, nachdem ich bei der Deutschen Meisterschaft Lead, welche Anfang November in Hilden stattfindet, gestartet bin.

Anmerkung 1 (red.): Die genormte Speedklettertour bei Wettkämpfen besteht aus 20 großen und 11 kleinen roten Griffen. Sie ist 15 Meter hoch, hängt fünf Grad über und hat einen Schwierigkeitsgrad von UIIA 7+. Zum Vergleich: der Weltrekord der DAMEN lag zu diesem Zeitpunkt bei 7.10s (YiLing Song, China, 26.4.2019)

Anmerkung 2 (red.): Am 9.11.2019 gab Lucia alles und gewann! Damit wurde sie auch Deutsche Meisterin der Damen im Lead! Herzlichen Glückwunsch!

Text: Lucia Dörffel

Foto Adidas Rockstars: © Björn Pohl / adidas ROCKSTARS 

Foto Siegerehrung Jugend-WM in Arco:   Sytse van Slooten

Foto Weltcup Briancon/Frankreich: Sytse van Slooten

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